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Geschichte, Teil 1
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Spiegel (Teil1)

Der älteste Fund eines Rundspiegels wurde in Susa, der Hauptstadt des alten Elam, gemacht. In Aegypten gab es Spiegel bereits in der zweiten Dynastie (um 3000 v. Chr.). Auch die anderen antiken Kulturvölker benutzten Spiegel. Sie waren aus Bonze, Kupfer oder anderen Metallen gefertigt. Die Spiegelfläche wurde poliert oder mit einer Silber-, manchmal auch mit einer Platinschicht belegt. Die Rückseite wurde oft mit feinen Gravuren verziert. Dafür sind vor allem die Fundstücke aus etruskischen Gräbern berühmt. Der Spiegel gehörte zur Toilette jeder vornehmen Römerin. Funde aus römischen Grabungsstätten liefern den Beweis dafür, dass die Antike bereits hinterlegte Glasspiegel kannte. Diese Spiegel waren aber von geringer Grösse und weniger wertvoll als die herrlichen Metallspiegel, die eine handwerkliche Höchstleistung der Antike darstellen.

Das Mittelalter kannte drei Formen von Spiegeln: den Taschenspiegel, den Handspiegel und den Stehspiegel. Sie alle hatten eher bescheidene Masse. Der Taschenspiegel, auch Gürtelspiegel genannt, wurde als ein kostbarer Gegenstand in einem Metall- oder Lederbehälter getragen und durch Kettchen gesichert. Der Handspiegel war mit einem Griff versehen, während der Toilettenspiegel meist einen Fuss besass. Lange Zeit blieb der Spiegel der christlichen Religion und der Kirche verdächtig. Seit Beginn des Christentums symbolisiert er auf Frauenbildnissen die verführerische Kraft und die Sündhaftigkeit. Die Kirche verpönte den Spiegel als Attribut der Eitelkeit und Gefallsucht. Die Todsünden Hoffart und Wollust erscheinen in mittelalterlichen Illustrationen und im Figurenschmuck der Kathedralen als Hofdamen mit einem Spiegel. Wie schon die Antike kannte das Mittelalter den Zauberspiegel. Er verlieh seinem Besitzer grosse Macht und war so geschliffen, dass er die Proportionen veränderte, was bei der Kundschaft die beabsichtigte Verblüffung und Verwunderung erzielte. In Zauberspiegeln konnte man sehen, was sich vielleicht gerade an einem anderen Ort abspielte, Hexen erkennen oder die Zukunft vorhersagen. Der Aberglaube im Zusammenhang mit dem Spiegel entstammt der Furcht vor Doppelgängern und Phantomen (wie in Oscar Wildes "Bildnis des Dorian Gray"). Hierzu zählt auch der Brauch, im Haus eines Toten die Spiegel zu verhängen. Man befürchtete, der Tote könne sonst, von seinem Spiegelbild gebannt, länger im Haus verweilen. Oder der Tod würde weitere Todesfälle nach sich ziehen, da Spiegel ja die Kraft der Verdopplung und Vervielfältigung haben. Als schlechtes Omen gilt der zerbrochene Spiegel: Die lebende Person könnte das gleiche Schicksal wie ihr zerbrochenes Abbild im Spiegel ereilen. Spiegelverbote galten für besonders empfindliche Personen wie Kinder, Wöchnerinnen und Bräute. Denn Spiegel hatten stets eine magische Anziehungskraft. Sie förderten die Erkenntnis. Man ging also besser vorsichtig mit ihnen um. In der alten Verbindung von Spiegelbild und Seele wurzeln die Märchen und Erzählungen vom verlorenen bzw. gestohlenen Spiegelbild.

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