Vergolden (Teil2)
Auf Holzoberflächen wird in der Regel die Technik der Polimentvergoldung
angewendet. Hierzu sind die folgenden Arbeitsschritte erforderlich:
- Hautleim, hergestellt aus hochwertigen Tierhäuten, ist der am
meisten verwendete Vergolderleim. Diesen Leim lässt man in Wasser
zunächst quellen. Im warmen Wasserbad verflüssigt sich die
gequollene Masse. So entsteht eine Hautleimlösung, die in allen
Stufen der Polimentvergoldung in unterschiedlicher Stärke verwendet
wird. Die Leimlösung wird gleichmässig im warmen Zustand
auf das rohe Holz des Rahmens aufgetragen, um einen festen Untergrund
zu schaffen, der eine gute Verbindung mit den folgenden Schichten des
Kreidegrundes ermöglicht.
- Der Kreidegrund besteht aus einer Mischung von warmem Hautleim und
Kreide. Verwendet werden dafür verschiedene Kreidesorten wie Bologneserkreide,
Champagnerkreide und China-Clay. Für die Herstellung des Kreidegrundes
gibt es etliche Rezepte. Jeder Vergolder hat da sein Geheimrezept.
Die Grundierung wird Schicht für Schicht aufgetragen. Sobald ein
Auftrag angetrocknet ist, folgt ein neuer. Dies wiederholt sich fünf
bis neun Mal.
- Ist der Kreidegrund durchgetrocknet, wird die weisse Oberfläche
sorgfälltig geschliffen. Dazu verwendet man Schleifpapiere, Bimstein
und Schwämme, je nach Rahmenprofil. Diese Arbeit kostet Zeit.
Der Rahmenvergolder wendet dafür besonders viel Mühe auf,
denn die Qualität des Schliffs hat entscheidende Auswirkungen
auf das Resultat der Vergoldung. Je sorgfältiger der Rahmen geschliffen
ist, umso weicher und ebenmässiger wird nachher der Goldglanz
ausfallen.
- Durch Polimentieren wird der Haftgrund für die Goldauflage hergestellt.
Dazu verwendet man Bolus. Das ist feinkörnig eingesumpfte Tonerde,
die in verschiedenen Farbtönen vorkommt und den Grundstoff für
das sogenannte Poliment bildet. Gelbes Poliment wird häufig bei
Mattvergoldung verwendet. Die Unterlegung eines goldähnlichen
Farbtons erzielt hier ein besonders ebenmässiges Ergebnis. Rotes
Poliment wird als Unterlage für Glanzgoldpartien bevorzugt, weil
dieser Farbton dem Gold sein charakteristisches Feuer verleiht. Das
Poliment wird im exakt gemessenen Stärkeverhältnis mit Hautleim
vermischt, und in zwei bis drei Schichten aufgetragen. Das Poliment
darf weder zu schwach noch zu stark mit Leim gebunden sein. Nach dem
Trocknen wird der Rahmen leicht abgerieben, bis er einen gleichmässigen
Glanz erhält. Nach diesem Arbeitsgang darf man die Oberfläche
nicht mehr berühren. Kleinste Fingerabdrücke hinterlassen
auf der Vergoldung Flecken.

Zuschneiden des Blattgoldes vor dem Anschiessen.
- Der Rahmen wird mit einem Gemisch aus Wasser und Alkohol benetzt,
die Netze. Sie aktiviert den Leim im Poliment. Nun folgt das "Anschiessen" -
so nennt man das Auftragen des Blattgolds. Auf dem Vergolderkissen
werden mit dem Vergoldermesser die Goldblätter in die gewünschte
Grösse geschnitten. Mit einem speziellen Pinsel, dem Anschiesser, "schiesst" man
das Gold auf den benetzten Rahmen. Diese Arbeit verlangt viel Übung
und Geschicklichkeit.
- Nach einer gewissen Zeit lässt sich das Gold polieren. So erhält
die Vergoldung die feste Verbindung und den Oberflächenglanz.
Dazu verwendet man Achat-Poliersteine, die es in verschiedenen Grössen
und Formen gibt. Auch hier ist besonderes Können gefragt, denn
der Druck auf den Polierstein darf weder zu fest noch zu sanft sein.
Vor allem kommt es darauf an, dass der von Hand auf den Polierstein
ausgeübte Druck gleichmässig ist. Der harte Achat glättet
das weiche Gold und bringt es zum Glänzen.
- Der Rahmen ist jetzt vollglänzend. Nun wird mittels eines weichen
Lappens an Kanten und Erhebungen Gold weggerieben, um einen edel wirkenden
Alterungsprozess nachzuahmen. Zuletzt wird der Rahmen patiniert und
lackiert. In zahlreichen, von Hand ausgeführten Arbeitsschritten
und mit natürlichen Werkstoffen ist ein unverwechselbares, kunsthandwerkliches
Einzelstück entstanden.
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